Eröffnung: 22. Juni, 19 Uhr
23. Juni - 09. September 2012
Beyond Words nimmt dieses Thema auf und präsentiert zeitgenössische künstlerische Positionen, die sich auf unterschiedliche Weise der Wechselwirkung zwischen Sag- und Sichtbarem widmen: Positionen, die die visuellen Qualitäten der Worte herausarbeiten oder die (Welt) beschreibende Ebene, die sich hinter der Erscheinung eröffnet. Positionen, die aufzeigen, was jenseits der Worte liegt („beyond words“). Positionen auch, die die Diskrepanz hervorheben, die sich zwischen den beiden Bereichen, dem Sichtbaren und dem Gesagten/Geschriebenen, auftun mögen – zeichnen sich doch „visuelle Repräsentationen durch eine nur unvollkommene oder begrenzte sprachliche Beschreibbarkeit aus.“(Martina Heßler, Dieter Mersch, „Bildlogik oder Was heißt visuelles Denken?“, in: dies. (Hrg.), Logik des Bildlichen. Zur Kritik der ikonischen Vernunft, Bielefeld 2009, S.8). Beispielhaft für die künstlerische Untersuchung solcher Zusammenhänge ist immer noch der amerikanische Konzeptkünstler Joseph Kosuth, der etwa 1965 in seinen One and three chairs einen Stuhl als realen Gegenstand, dessen fotografisches Abbild und seine schriftlich fixierte Beschreibung gleichberechtigt nebeneinander stellte: ein Ding in unterschiedlicher Ausprägung, aber immer es selbst.
In Beyond Words dient eine weitere Größe amerikanischer Konzeptkunst als historische Referenz – Lawrence Weiner, dessen großer Schriftzug seit 1991 die Erscheinung der Außenfassade der GAK zur Weser hin prägt: „HAVING BEEN BUILT ON SAND / WITH ANOTHER BASE (BASIS) IN FACT // AUF SAND GEBAUT / TATSÄCHLICH (AUS) AUF ANDEREM GRUND“. Ein Wortspiel als Schriftbild, das einerseits seine lokale Position thematisiert – den sandigen Untergrund des GAK-Gebäudes –, im selben Moment aber einen Deutungshorizont für zeitgenössische Kunst als potentieller Halt von Gesellschaft eröffnet. Im Inneren der Institution gruppieren sich dagegen Arbeiten einer jüngeren künstlerischen Produktion. Werke, die ebenfalls Bilder auf der Basis von Worten entstehen lassen (Jesse Ash, Ryan Gander, Jacob Dahl Jürgensen, Albrecht Schäfer, Mark Wallinger), Worte zu Bildern oder Skulpturen formen (Kajsa Dahlberg, Alexander Gutke, Kitty Kraus, Karolin Meunier, Norbert Schwontkowski), Wort und Bild zu einer universellen Sprache zusammen fügen (Saâdane Afif), der Art und Weise nachspüren, wie Worte Realität entstehen lassen können (Kathrin Sonntag) oder ein Hin- und Her zwischen den Ebenen von visueller Erscheinung und Sprache inszenieren (Ruth Buchanan, Nina Beier und Marie Lund und Francesco Pedraglio, Cabinet Gold van d’Vlies). Gelegentlich dienen linguistische Theorien, fiktive wie existente, den Künstler/innen als Ausgangspunkt (Gander, Dahl Jürgensen und Meunier). Einige der Arbeiten sind in direkter Auseinandersetzung mit den Räumen der GAK und dem Thema der Ausstellung entstanden (Ash, Schwontkowski, Cabinet Gold van d’Vlies).