Özlem Sulak
Aufenthaltserlebnis
21. Februar - 26. April 2009
In Granny z.B. setzt sie ihre Großmutter und Großtante aufs Sofa und lässt sie von ihrer Immigration aus dem westlich geprägten Sarajevo in ein von traditionellen Werten dominiertes Anatolien der 1930er Jahre erzählen. Beide Frauen lassen kein gutes Haar an der Türkei, scheinen sich in der neuen Heimat nie wohl gefühlt und bis heute Sehnsucht nach dem so viel freieren Leben ihrer Kindheit zu haben. Doch erzählt werden die Geschichten von emotionaler Einsamkeit (“Dein Großvater hat mir in 30 Jahren nie gesagt, dass er mich liebt”) und Verlust von persönlicher Freiheit wie Kinobesuchen oder Schulbildung in einem seltsam amüsierten Tonfall, der mehrfach in Gelächter übergeht. In Vratnik 13 macht Özlem Sulak sich auf, um der Vergangenheit von Großmutter und Großtante selbst nachzuspüren. Im kriegsversehrten und im Schneematsch trostlos daliegenden Sarajevo der Gegenwart versucht sie, das Haus der Kindheit beider Frauen in der Straße “Vratnik 13” zu finden. Angeleitet wird sie dabei von der Erinnerung ihrer Großmutter, die ihr per Handy den Weg durch eine Realitität weist, die schon lange nicht mehr existiert. In Deutsches Auswandererhaus schließlich begleitet Sulak vier türkische Frauen beim Besuch des Deutschen Auswandererhauses in Bremerhaven. Statements zur Siuation der Auswanderer des 19. Jahrhunderts, die im dortigen Museum erfahrbar gemacht werden soll, verschmelzen hier mit der persönlichen Erfahrung, fremd in einem fremden Land zu sein.
In Bremen wird Sulak die drei Filme Granny (2005), Vratnik 13 (2007) und Deutsches Auswandererhaus (2008) in Installationen einbetten, die die jeweilige Atmosphäre der Arbeiten aufnehmen und verstärken.
Nach Studien in Istanbul und Liverpool studiert Özlem Sulak derzeit an der Hochschule für Künste in Bremen. Sie ist Gewinnerin des Villa Minimo Stipendiums des Kunstvereins Hannover und des Bremer Videokunstförderpreises 2008.
