ALICE CREISCHER

APPARAT ZUM OSMOTISCHEN DRUCKAUSGLEICH VON REICHTUM BEI DER BETRACHTUNG VON ARMUT

17. Juni – 21. August 2005

Wenn das so einfach wäre! Lautet eine erste Reaktion auf das neue und titelgebende Projekt von Alice Creischer in der Ausstellung der GAK, das von Reiseeindrücken durch Indien und Argentinien geprägt ist. Die Überwindung des finanziellen Ungleichgewichts auf der Welt durch Osmose hört sich verlockend an und ist zugleich doch utopisch. Osmose folgt dem physikalischen Phänomen, wonach z.B. Wasser einseitig durch eine Membran diffundiert, um ein Missverhältnis der Konzentration der darin gelösten Stoffe auszugleichen.

Creischer veranschaulicht die gesellschaftlichen Verhältnisse jedoch nicht anhand eines U-Glases, wie wir es aus dem Physikunterricht kennen, sondern stellt in ihrer Installation auf Fotoscheiben verschiedene Kategorisierungssysteme von arm und reich zur Diskussion.

Mit Alice Creischer präsentiert die Gesellschaft für Aktuelle Kunst eine Grenzgängerin der Genres und Rollen. Ihre Arbeit lässt sich nur schwer charakterisieren, denn Creischer arbeitet in verschiedenen Gruppenkontexten, kuratiert auch Ausstellungen oder schreibt für Kunstzeitschriften. Für ihre Ausstellungen entstehen aus ihrer Textproduktion heraus verschiedene Visualisierungen und Objekte, Hörstücke, Videos, Zeichnungen oder auch Malerei.

Durchgängiges Thema ist die Sichtbarmachung von Prozessen in Politik und Wirtschaft und deren Kultur. Creischer wählt z.B. einen realen Bezugspunkt und bettet diesen in eine neue, frei gewählte Erzählung mit teilweise absurden Szenerien ein. Realität und Fiktion gehen vor allem in ihren frühen Texten aus den achtziger Jahren eine Allianz des Imaginären ein.

Die Ausstellung ist auch eine retrospektiv angelegt und dokumentiert Creischers performativen und literarischen Arbeiten ab Mitte der achtziger Jahre erstmals im Überblick. Noch während ihres Studiums in Düsseldorf entwarf Creischer Maschinen zur Präsentation und Rezeption ihrer Texte. Projekte wie „Alle Tage Jericho. Ich die Posaune“ verlangten vom Rezipienten z.B. den Gang durch die Stadt mit der dazugehörigen Apparatur, die den Text aufführte.

Alice Creischer, geboren 1960, lebt und arbeitet in Berlin. Die Ausstellung in der GAK ist ihre erste Einzelpräsentation in Deutschland.

Kuratorin: Gabriele Mackert

PROGRAMM (AUSWAHL)

Lesung:
Alice Creischer
Donnerstag, 23. Juni, 19 Uhr

Vortrag:
Donnerstag, 30. Juni, 19 Uhr
Gerald Raunig, Wien: "Kunst und Revolution: Eine historische Analyse des Zusammenspiels von künstlerischen und revolutionären Bewegungen"

Vortrag:
Donnerstag, 18. August, 19 Uhr
Elke Bippus, Hamburg/Bremen: Texttheorien: zur Textproduktion von Alice Creischer

Eat & Art
Sonntag, 10 Juli, 17 Uhr

Führungen
Sonntag, 3. Juli, 16 Uhr
Donnerstag, 7. Juli, 19 Uhr
Sonntag, 21. August, 16 Uhr


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