ALINE BOUVY & JOHN GILLIS

TO A SERVERE MATHEMATICS

21. April – 20. Mai 2001

TO A SEVERE MATHEMATICS war die erste Einzelausstellung von John Gillis und Aline Bouvy (geb. 1972 und 1974, leben in Brüssel). Sie arbeiteten seit zwei Jahren zusammen. In der Ausstellung bezogen sie sich in offener Weise auf andere Künstler, Kunstwerke oder kulturelle ‘Erfindungen’.Dreh- und Angelpunkt ihrer Arbeit der letzten Zeit war die von Charlotte Perriand und Le Corbusier entworfene perfekte mikrokosmische Wohnung für den modernen Junggesellen von 1935, der aus unserer heutigen Sicht zugleich der ‘archetypische’ Junggeselle ist.Bouvy und Gillis reinszenierten diesen Junggesellen (den es nie gegeben hat), erweckten ihn Mithilfe eines Fotomodells zum Leben. Eine Fiktion wurde verkörpert. Aber dann ging es nicht mehr um die ‘wirkliche’ Fiktion des Junggesellen, sondern um das Inszenieren. Die prototypische Wohnung wurde zum Auslöser für die Reflexion über den Darsteller, das Fotomodell. Weitere Mitspieler in der Welt von Bouvy und Gillis waren Fernand Leger, der den (männlichen) Malern rät, nie schöne Frauen als Modelle zu verwenden. Ein fiktiver Kunstkritiker, der ihm zuhörte und ein Nachbau des runden, sich um seine eigene Achse drehenden Bettes, wie es für das Playboymagazin in den sechziger Jahren entworfen wurde, ein Selbstporträt von Aline B., die sich selbst im Verhältnis zu ihren alten egos sieht . Die Verarbeitung dieser ‘Rezeptionsbruchstücke’ der Kultur des 20. Jahrhunderts dachten die Geschichten weiter, die sich hätten ergeben können. Sie reinszenierten, aktualisierten, übersetzten, sie bezogen das, was sie entdeckt hatten, auf heute und auf ihre eigene Identität als Künstler bzw. Künstlerin und als Frau und Mann.

Die Ausstellung spielte auf einer fast immateriellen Vorschlagsebene mit vielen Ideen, Fantasien und Konzept. Ein aufgeschobenes Verlangen war in der Ausstellung deutlich spürbar und das rotierende Bett als Hinweis von Wünschen, die um sich selber kreisen.

Mit Unterstützung der Jan van Eyck-Akademie, Maastricht, und dem Ministerie van de Vlaamse Gemeenschap, Brüssel.

Zu Publikation von Aline Bouvy & John Gillis