BEYOND WORDS

23. Juni – 09. September 2012

SAÂDANE AFIF, JESSE ASH, NINA BEIER UND MARIE LUND UND FRANCESCO PEDRAGLIO, RUTH BUCHANAN, CABINET GOLD VAN D’VLIES, KAJSA DAHLBERG, JACOB DAHL JÜRGENSEN, RYAN GANDER, ALEXANDER GUTKE, KITTY KRAUS, KAROLIN MEUNIER, ALBRECHT SCHÄFER, NORBERT SCHWONTKOWSKI, KATHRIN SONNTAG, MARK WALLINGER, LAWRENCE WEINER

Die Verschränkung von Sprache und Bild bestimmt unsere Vorstellung von der Welt. Eine zentrale Ebene für die Erfassung des Visuellen bildet z.B. seine Wiedergabe durch das Wort in Sprache und Schrift, in Beschreibung und Analyse. Umgekehrt wirken Worte ihrerseits auf die visuelle Erscheinung ein, indem sie innere Bilder entstehen lassen, denen die Künstler/innen Gestalt verleihen. Visuelle Erscheinung und Benennung/Beschreibung durchdringen sich demgemäß wechselseitig, wirken grundsätzlich aufeinander ein. Wie Jacques Rancière in Politik der Bilder ausführt, „ist das Bild nicht ausschließlich ein Element des Sichtbaren. (...) das allgemein bekannteste Regime der Bilder inszeniert die Beziehung zwischen dem Sagbaren und dem Sichtbaren, eine Beziehung, die gleichzeitig aus der Analogie und aus der Unähnlichkeit des Sagbaren und Sichtbaren besteht.“ (Jacques Rancière, Politik der Bilder, Zürich-Berlin 2005, S. 14)

Beyond Words nimmt dieses Thema auf und präsentiert zeitgenössische künstlerische Positionen, die sich auf unterschiedliche Weise der Wechselwirkung zwischen Sag- und Sichtbarem widmen: Positionen, die die visuellen Qualitäten der Worte herausarbeiten oder die (Welt) beschreibende Ebene, die sich hinter der Erscheinung eröffnet. Positionen, die aufzeigen, was jenseits der Worte liegt („beyond words“). Positionen auch, die die Diskrepanz hervorheben, die sich zwischen den beiden Bereichen, dem Sichtbaren und dem Gesagten/Geschriebenen, auftun mögen – zeichnen sich doch „visuelle Repräsentationen durch eine nur unvollkommene oder begrenzte sprachliche Beschreibbarkeit aus.“ (Martina Heßler, Dieter Mersch, „Bildlogik oder Was heißt visuelles Denken?“, in: dies. (Hrg.), Logik des Bildlichen. Zur Kritik der ikonischen Vernunft, Bielefeld 2009, S.8). Beispielhaft für die künstlerische Untersuchung solcher Zusammenhänge ist immer noch der amerikanische Konzeptkünstler Joseph Kosuth, der etwa 1965 in seinen One and three chairs einen Stuhl als realen Gegenstand, dessen fotografisches Abbild und seine schriftlich fixierte Beschreibung gleichberechtigt nebeneinander stellte: ein Ding in unterschiedlicher Ausprägung, aber immer es selbst.

In Beyond Words dient eine weitere Größe amerikanischer Konzeptkunst als historische Referenz – Lawrence Weiner, dessen großer Schriftzug seit 1991 die Erscheinung der Außenfassade der GAK zur Weser hin prägt: „HAVING BEEN BUILT ON SAND / WITH ANOTHER BASE (BASIS) IN FACT // AUF SAND GEBAUT / TATSÄCHLICH (AUS) AUF ANDEREM GRUND“. Ein Wortspiel als Schriftbild, das einerseits seine lokale Position thematisiert – den sandigen Untergrund des GAK-Gebäudes –, im selben Moment aber einen Deutungshorizont für zeitgenössische Kunst als potentieller Halt von Gesellschaft eröffnet. Im Inneren der Institution gruppieren sich dagegen Arbeiten einer jüngeren künstlerischen Produktion. Werke, die Bilder auf der Basis von Worten entstehen lassen (Jesse Ash, Ryan Gander, Jacob Dahl Jürgensen, Albrecht Schäfer, Mark Wallinger), Worte zu Bildern oder Skulpturen formen (Kajsa Dahlberg, Alexander Gutke, Kitty Kraus, Karolin Meunier), der Sprachlosigkeit ein Bild geben (Norbert Schwontkowski), der Art und Weise nachspüren, wie Worte Realität entstehen lassen können (Kathrin Sonntag) oder ein Hin- und Her zwischen den Ebenen von visueller Erscheinung und Sprache inszenieren (Saâdane Afif, Ruth Buchanan, Nina Beier und Marie Lund und Francesco Pedraglio, Cabinet Gold van d’Vlies). Gelegentlich dienen linguistische Theorien, fiktive wie existente, den Künstler/innen als Ausgangspunkt (Gander, Dahl Jürgensen und Meunier). Einige der Arbeiten sind in direkter Auseinandersetzung mit den Räumen der GAK und dem Thema der Ausstellung entstanden (Ash, Schwontkowski, Cabinet Gold van d’Vlies).

Die Ausstellung wird von einem vielfältigen Programm in Führungen, Vorträgen, Performances und Filmscreenings begleitet.

Kuratorinnen: Yvonne Bialek und Janneke de Vries

Beyond Words findet parallel zur Präsentation der ars-viva Preisträger zum Thema „Sprache“ in der Weserburg I Museum für moderne Kunst statt. Auf diese Weise werfen die beiden benachbarten Institutionen auf dem Teerhof zeitgleich verschiedene Schlaglichter auf die Wechselwirkung von Kunst und Sprache, Erscheinung und Wort.


DONNERSTAGSTERMINE jeweils 19 Uhr:

28.06.2012
FÜHRUNG
Mit Yvonne Bialek, Kuratorin der Ausstellung

12.07.2012
FILMABEND
Sprache im Künstlerfilm der 1970er Jahre
Mit John Baldessari, Baldessari sings LeWitt (1972, 12:38 min., s/w, Ton), Lis Rhodes, Light Reading (1978, 20 min., Ton) und Abramovic & Ulay, AAA AAA (1978, 20 min., s/w, Ton).

26.07.2012
REDEN ÜBER KUNST. ZUR SPRACHLICHEN ANNÄHERUNG AN DAS KUNSTWERK
Vortrag von Prof. Dr. Andreas Gardt (Autor von Die Rethorik des Kunstdiskurses und Kunst und Sprache), Universität Kassel

09.08.2012
INVITED. Performance von Karolin Meunier
Die Performance ist Teil einer Reihe, in der Meunier unterschiedliche Techniken des Sprechens und Mitteilens untersucht, und ergänzt ihre Arbeit innerhalb der Ausstellung Beyond Words. Die Koordinaten des Ausstellungsraumes werden dabei ebenso eine Rolle spielen wie ihr Verlust.

23.08.2012
MASH UP. Performance von Cabinet Gold van d'Vlies
Getreu der Aussage „was in den 1990ern der DJ war, ist jetzt der Magazinmacher – verlegen ist schick geworden“ (Vanessa Adler) werden Magazine, Bücher und Eigenproduktionen „aufgelegt“.

06.09.2012
FÜHRUNG
Mit Janneke de Vries, Kuratorin der Ausstellung

Die Ausstellung wird gefördert von:







Die GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst wird gefördert durch: