CHANGING HABITATS

KUNSTPRAXIS UND STADTENTWICKLUNG

22. April – 29. Mai 2005

Tracy Mackkenna und Edwin Janssen, Rupprecht Matthies, Lars Mikkelsen und Studenten der Malmö Art Academy, N55, Sander/Claassen-Schmal, Apolonija Sustersic

Welche Ausprägungen von Stadtentwicklung und städtischem Leben greift die Kunst auf? In welchem institutionellen Rahmen können sich Kunstprojekte entwickeln? Welche besondere Formen nehmen die Kunstwerke unter dem jeweiligen Einfluss des "Öffentlichen" an?

Das von der Gesellschaft für Aktuelle Kunst initiierte Projekt setzt unterschiedliche europäische Ansätze bei der Verwirklichung von Kunstprojekten in städtischen Räumen miteinander in Beziehung und stellt sie in der GAK vor.

Mitorganisatoren sind die Kunstagentur Art in Partnership in Edinburgh, die Malmö Art Academy und die Kulturabteilung der Stadt Utrecht. Changing Habitats bildet den Rahmen für Kunstprojekte in öffentlichen Räumen in den genannten europäischen Städten.

Die Konferenz begleitet die Ausstellung und reflektiert die künstlerischen und organisatorischen Besonderheiten kollaborativer Kunstprojekte im öffentlichen Raum. Beteiligt sind Fachleute und Institutionen aus sieben europäischen Metropolen, Art in Partnership, Edinburgh; Konsthögskolan, die Kulturabteilung der Stadt Utrecht, Hints Budapest, Center for Contemporary Art, Latvian Center for Contemporary Art, Centro Andaluz de Arte Contemporáneo, Sevilla.

Kuratoren: Horst Griese, Eva Schmidt

Die einzelnen Projekte:


KINO-ATELIER
In Utrecht ist – im Gegensatz zur aktuellen Tendenz des Schrumpfens – das Wachsen der Stadt der Anlass für besondere Interventionen von Kunst. Hier entsteht ein riesiges neues Wohngebiet (Leidsche Rijn) mit 90.000 Einwohnern. Beyond ist der Titel einer Reihe von Kunstprojekten, die den Ausbau der Siedlung begleiten. Dazu gehört auch Cinema-Studio der slowenischen Künstlerin Apolonija Sustersic. Sie hat sich in einem mobilen Gebäude der niederländischen Künstler Bik Van der Pol und Korteknie Stuhlmacher, Nomads in Residence, eingerichtet. In dieser hybriden Konstruktion zwischen Öffentlichem und Privatem veranstaltet Sustersic ein Kinderkino und nutzt sie zugleich als Atelier- und Lebensraum.  Die Projektreihe Beyond wird von der Kulturabteilung der Stadt Utrecht und SKOR, Amsterdam organisiert.


DER GARTEN EINES KAUFMANNS
Um eine nachhaltige Entwicklung geht es auch bei dem Kirkcaldy Riggs Gardens Projekt in der Nähe Edinburgs. In Kirkcaldy, am Ufer der schottischen Steilküste, befindet sich die historische Zeile von Kaufmannshäusern mit ihren ehemals wirtschaftlich genutzten „Rigg Gardens“. Ihre Sanierung und künftige öffentliche Nutzung soll die wirtschaftliche und kulturelle Dynamik des Bezirks beleben. Eines von drei Kunstprojekten der Schottin Tracy Mackenna und des Niederländers Edwin Janssen ist A Merchants House Garden. „Unsere Gartengestaltung schafft einen Raum, der mehrere Funktionen erfüllt und verschiedenen Bedürfnissen dient. Der Garten wird zum Milieu, das sozialen und privaten Raum einschließt und im Kontrast zur unmittelbar urbanen Umgebung steht“, so umreißt das Künstlerduo seine Projektidee. Erste Schritte dieses von der Agentur Art in Partnership organisierten und auf einen längeren Entwicklungszeitraum hin angelegten Projektes dokumentiert Changing Habitats.


TREVNAD-05 REIHENHAUS
Die Malmö Art Academy veranstaltet einjährige Ausbildungsprogramme für Künstler und Kuratoren, in denen Öffentlichkeit und öffentlicher Raum eine zentrale Rolle spielen. Hier hat der dänische Künstler Lars Mikkelsen, gemeinsam mit Studenten die Modelle für das trevnad-05 row house entwickelt. Es soll Grundlagen einer „humanen Architektur“, wie sie in Schweden in den 40er und 50er Jahren realisiert wurde, einer Periode, in der die Ideale sozialer Gleichheit den Diskurs dominierten, zur Diskussion stellen. trevnad-05 row house revitalisiert diese Ideen und bezieht sie auf die aktuelle Praxis des Bauens.


SMALL TRUCK
Ein Fahrzeug der besonderen Art hat die dänisch-norwegische Künstlergruppe N55 entwickelt - einen Lastwagen für kleine Transporte, der sehr langsam fährt. Eine absurde Vorstellung, wären da nicht seine ganz außerordentlichen Eigenschaften: SMALL TRUCK bietet Platz für eine Person, kann bis zu 200 kg befördern und wird, unterstützt durch zusätzliche Elektroenergie aus einer Batterie, angetrieben durch Pedalkraft des Fahrers. SMALL TRUCK soll, im Zusammenhang mit weiteren Ideen im Rahmen von CITY FARMING, gewerbliche und private Transporte auf ökologisch und ökonomisch sinnvolle Weise erledigen. SMALL TRUCK kann während der Ausstellungsdauer von Interessierten zur Benutzung ausgeliehen werden. Benutzungswünsche können bei der GAK angemeldet werden.


DIE G:JACKE
DIE G:JACKE von Anke Sander und Barbara Claassen-Schmal ist eine Skulptur - jedoch ein allgegenwärtiges Objekt mit unkalkulierbaren Eigenschaften. Seit es 2001 in einem Wettbewerb für den Stadtteil Gröpelingen juriert wurde wächst dieses Projekt, zunächst als ästhetisch/soziologische Annäherung (2001-2003). Die Bremer Künstlerinnen entwickelten einen Fragebogen, den 300 Personen ausfüllten, sondierten das Umfeld und veröffentlichten ein CD-Hörbild und ein Daumenkino. Sie stellen sich DIE G:JACKE als Faktor vor, der Identität im Stadtteil stiftet. Nun soll DIE G:JACKE mit Unterstützung von Mitarbeitern der BRAS (Bremer Beschäftigungsträger) in verschiedenen Größen produziert und vertrieben werden. Rund um das Vorhaben sollen weitere Produkte, Kommunikationen, Ideen und Projekte entstehen, die gesondert angekündigt werden.


VERZICHTEN
Rupprecht Matthies hat eine neue Videoarbeit geschaffen, die die Vorgänge um sein Projekt verzichten reflektiert. Die Skulptur (ein etwa zehn Meter langer gelber Schriftzug, der 2003 vor dem Bremer Dom stand), ihr Thema, ihre Protagonisten und Aktionen riefen deutliche öffentliche und mediale Resonanzen hervor. Erstmals werden die Reaktionen der interviewten Passanten präsentiert. Stationen dieses Prozesses hat der Hamburger Matthies in seinem Filmbeitrag verarbeitet, der die Ausstellung beispielhafter Projekte im öffentlichen Raum ergänzt.

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