DAVID BADE/HONORE D'O

PERPETUUM BANGTAMTAM

04. Mai – 23. Juni 2002

Eine Woche lang wechselten sich alle 5 Minuten einander ab:

BATTLE, EX-AEQUO, FLECHTEN, FLÜCHTEN, EINANDER SCHONEN,...
SPARRINGPARTNER HONORÉ D‘O & DAVID BADE

Genauer gesagt waren es neun Tage, in denen die beiden befreundeten Künstler in der GAK gearbeitet und aufeinander reagiert haben. Aber sicherlich nicht so streng im schnellen Wechsel von 5 Minuten, sondern eher parallel und unendlich langsam mit vielen kleinen Kommentaren zu dem, was der jeweils andere gemacht hat. Doch obige Ankündigung deutet etwas Grundsätzliches in der Arbeitsweise von beiden Künstlern, die Balance zwischen Offenheit und Konzept.

David Bade und Honoré d’O hatten eine gemeinsame Installation geschaffen, die Zonen bildete, in denen sich die individuelle Arbeitsweise der beiden deutlich artikulierte. Dann aber gab es weiche Übergänge und kleine Inseln im Revier des anderen. Die Metapher des Sparringpartners deutet auf freundschaftliches, spielerisches, neckendes, übendes Kämpfen als Form der künstlerischen Zusammenarbeit.
Man hatte zunächst den Eindruck, dass es etwas chaotisch zugeht. Aber je länger die Landschaft mit Assemblagen, Skulpturen, Anhäufungen, Streuungen, Reihungen, Anordnungen und fragilen Konstellationen durchwandert wurde, desto strukturierter wurde das Feld. Und bei aller Gemeinsamkeit in der offenen Arbeitsweise eröffnen sich die Unterschiede. Es gab viel zu sehen und zu entdecken. Und je deutlicher man hinsah, desto klarer wurden die Bezüge und Hinweise, wer was gemacht hat und wie die Zusammenarbeit funktionierte.

Honoré d’O nutzt die Gegenstände, die er vorfindet, Tisch, Stühle, Schuhe, Kleiderbügel, Produkte, die in Drogerien angeboten werden, kleine Gegenstände, die oft eine naive Farbigkeit haben von Rosa, Gelb, Hellgrün. Er verdoppelt sie durch weißes Styropor, verleiht ihnen so einen Schatten oder ein Echo. Er schafft einen energetischen Raum durch das Spannen von Fäden, die es erlauben, die Dinge in der Schieflage zu halten oder sie schweben zu lassen.

David Bade zeichnet, malt, formt aggressive Bilder und Skulpturen, welche die Autorität angreifen und eine andere instrumentelle Autorität behaupten. Unförmige Abgüsse mit farbigem Polyesterschaum werden zu bombastischen Formationen aufgebaut. Die archaischen Skulpturen, Marterpfähle und phallischen Formen besitzen immer eine anthropomorphe Orientierung. Geschriebene Kommentare prägen die direkte Art der Konfrontation.

Die Künstler haben nicht nur in den neun Tagen vor Ausstellungsbeginn zusammengearbeitet, sondern auch gegessen und in einem Appartment gewohnt, wie in einem Videofilm festgehalten wurde. Ein anderer Film zeigte eine kürzlich realisierte Performance von David aus dem Stedelijk Museum in Amsterdam (2002), die Projektion im Eingangsbereich der GAK war ein ebenso performatives Werk von Honoré im Moderna Museet in Stockholm (2000).

Schließlich war die Ausstellung das Ergebnis des Prozesses, aber kein Endergebnis, das Gelingen oder Scheitern implizieren sollte, sondern ein vorläufiges Ergebnis verändert wurde. Und schließlich waren auch die Besucher der Ausstellung aufgefordert, selbst kleine Formen zu produzieren: ästhetisches Arbeiten ist eben nicht nur den professionellen Künstlern vorbehalten. Die Anti-Haltung, was Kunst und Kunstform betrifft, korrelierte mit einer Pro-Haltung, die die allumfassende, ständig sich vollziehende ästhetische Haltung, Handlung und Wahrnehmung betrifft.

David Bade (geb. 1970, lebt in Amsterdam) und Honoré d’O (geb. 1961, lebt in Gent) sind zwei Künstler, die mit einer dissonanten Vielfalt alltäglicher Materialien absurde und poetische, aber auch aggressive Installationen schaffen und auf diese Weise den Betrachter mit ihrer Direktheit aktiv involvieren und provozieren. Beide besetzen vielfach öffentliche Räume oder abseitige Räume neben den offiziellen Ausstellungsräumen, beide lassen auch andere Menschen an der Entstehung ihrer Arbeit partizipieren. Beide schätzen seit längerem das Werk des anderen. In der GAK haben sie zum ersten Mal Gelegenheit, zusammenzuarbeiten und ihre offenen ausufernden Assemblagen zu vermischen.

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