DIE GEOMETRIE DER DINGE

02. März – 05. Mai 2013

MARKUS AMM, SARA BARKER, CHARLOTTE MOTH UND ROBIN WATKINS

Die Geometrie der Dinge in der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst zeigt Werke von Markus Amm, Sara Barker, Charlotte Moth und Robin Watkins, die sich auf unterschiedliche Weise „mit Punkten, Geraden, Ebenen, Abständen, Winkeln etc. beschäftigen.“¹ Geometrie fungiert hier als Beispiel für ein System, dessen Gesetzmäßigkeiten klar umrissen sind. Die künstlerischen Herangehensweisen der Ausstellung nutzen diesen klar gesteckten Rahmen als Freiraum, um unveränderlich scheinende Vorgaben zu öffnen und unerwartete Aspekte einfließen zu lassen. Die vier Künstler/innen sind dem Besonderen im Geometrischen auf der Spur, der Geometrie, die sich in genutzten Formen oder kunsthistorischen Traditionen offenbart, die sich im Alltäglichen oder in wissenschaftlichen Experimenten entdecken lässt. 


Dabei formuliert der Ausstellungstitel weniger einen strikten, thematischen Rahmen als vielmehr eine lockere, formale Klammer, um verschieden argumentierende, künstlerische Positionen zusammen zu führen. Die Geometrie der Dinge als „Sprache der Menschheit“² und allem zugrunde liegender „Rhythmus“³ ist in jedem der vier vertretenen Ansätze zu entdecken – mal offensichtlich, mal eher versteckt. Sie ist der gemeinsame Nenner, der die Werke in einer Raumsituation zusammenbringt, ohne ihre individuellen Sichtweisen einzuengen. Sie bietet die Plattform, auf der die gezeigten Arbeiten nicht nur dem Thema der Ausstellung folgen, sondern gleichzeitig auch einen umfassenden Einblick in das jeweilige künstlerische Schaffen geben, indem jede der vier Herangehensweisen mittels mehrerer Werke vorgestellt wird.
 
Die Malerei von Markus Amm (*1969 in Stuttgart, lebt in Berlin) konzentriert sich auf Fragestellungen, die um die Grenzen und Möglichkeiten der Malerei, um tatsächlichen und konstruierten Raum sowie um Illusion und Realität kreisen. Einflüsse avantgardistischer Kunstrichtungen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Geometrische Grundformen und eine reduzierte Farbigkeit als die visuellen Ausdrucksmittel, die etwa im russischen Konstruktivismus, bei De Stijl oder im Bauhaus entwickelt wurden, bestimmen seine Herangehensweise. Amm interessiert sich für die Zeitlosigkeit bestimmter Formensprachen und konterkariert deren Ästhetisierung mit billigen Materialien und bewusst einfacher Herstellung. So erweisen seine Arbeiten ihren Vorgängern Referenz und demonstrieren gleichzeitig Distanz und Doppelbödigkeit. Für Die Geometrie der Dinge entwickelt der Künstler vor Ort eine Wandmalerei und kombiniert sie mit einer Anzahl von Gemälden und Fotoabzügen.

Die Skulpturen von Sara Barker (*1980 in Manchester, lebt in Glasgow) muten wie dreidimensionale Zeichnungen an, die sich mittels linearer Metallstäbe, -leisten, Glas und Farbe in den Raum ausbreiten und mit ihrem Umfeld in Beziehung setzen, es unterbrechen, erweitern oder spiegeln. Fläche und Raum, Innen und Außen verschränken sich und werden zur Einheit. Eine fragile Einheit, in der die zugrunde liegenden, geometrischen Linien wirken, als seien sie immer eine Spur aus dem Gleichgewicht gebracht und kurz vor dem Einsturz. Für Die Geometrie der Dinge entwickelt Sara Barker eine neue Serie von Arbeiten, die verstärkt die Fragen nach Größenverhältnissen und ihrer Präsentation im Raum ausloten. Die Gegensatzpaare Monumentalität – Fragilität, Innen – Außen, Präsenz – Auflösung, Architektur – Skulptur, Raum – Linie, die seit jeher die Grundpfeiler von Barkers künstlerischer Arbeit bilden, werden so noch entschiedener formuliert und stehen für eine ständige Weiterentwicklung ihres Schaffens auf der Grundlage gleich bleibender Fragestellungen.
 
Charlotte Moth (*1978 in Carshalton, UK, lebt in Paris) ist der Geometrie der Dinge ganz direkt auf der Spur, wenn sie ihr auf ihren Reisen nachspürt, sie in Architekturen oder alltäglichen Anordnungen aufstöbert und schließlich in Fotografien, Filmen oder skulpturalen Anordnungen bannt. Sie schafft selbst keine geometrisch inspirierten Anordnungen, sondern nimmt geometrische Formen dort auf, wo sie sie im Alltag vorfindet. In Anlehnung an wichtige film- oder kunsthistorische Referenzfiguren (z.B. Eileen Gray, Kurt Schwitters oder Le Corbusier) entwickelt sie das Vorgefundene weiter und gesteht ihm eine neue Kraft zu. Wichtige Ergänzung ist ihr dabei der architektonische Präsentationsraum, auf dessen „innewohnendes Gefühl von Geometrie“ (Moth) ihre Arbeiten reagieren. Moth entwickelt ihre Ausstellungsbeiträge dementsprechend in enger Zusammenarbeit mit und für die Räume der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst.
 
Robin Watkins (*1980 in Stockholm, lebt in Berlin) greift alltägliche Objekte auf, um ihre versteckten Besonderheiten in experimentellen Versuchsanordnungen vor Augen zu führen, die Poetik in scheinbar banalen Vorgängen offen zu legen. Im Ergebnis ist es die Geometrie als Rhythmus, der den Dingen zugrunde liegt, sind es die zyklischen Abläufe in der Natur, denen Watkins in Fotografien und Objekten nachgeht. Sein Augenmerk richtet sich etwa auf die Kommunikation getrockneter Bohnen, die Schönheit von Früchten zwischen Natur und Künstlichkeit oder das Bildpotential von Obstetiketten. Abgebildete oder objekthafte Repräsentationen von ruhenden Körpern, verrinnender Zeit oder anderen spannungsvollen Stadien alltäglicher Erfahrungen ergeben zusammen ein Bild zwischen Konstanz und unvermeidbarer Veränderung im Fluss der Zeit. Dabei setzt er eine bewusst reduzierte, nahezu zarte Bildsprache ein, die den Gegenstand bedingungslos in den Vordergrund stellt, ihn aber mit minimalen Gesten präzise unterstützt.

¹ Wikipedia, 9.11.2012.
² „Geometry is the language of man.“ Amedée Ozenfant und Le Corbusier in: Après Cubisme, Paris 1918
³ Le Corbusier, Vers Une Architecture, Paris 1923.


Die Ausstellung wird in den Donnerstagsterminen durch Führungen, Vorträge und Künstlergespräche ergänzt.

DONNERSTAGSTERMINE
jeweils 19 Uhr:

7.3.2013
FÜHRUNG
durch die Ausstellung mit Sandra Hampe, Volontärin

21.03. 2013
TRAVELOGUE  AND THE POWER OF PHOTOGRAPHIC IMAGES
Gespräch zwischen Charlotte Moth (Künstlerin der Ausstellung) und Eva Birkenstock (Kuratorin, Kunsthaus Bregenz) in engl. Sprache.

04.04.2013
SOME DISORDERED INTERIOR GEOMETRIES
Vortrag von Yvonne Bialek (kuratorische Assistentin, GAK) zum Werk der amerikanischen Künstlerin Francesca Woodman (1958-81). Woodman stellte in ihren Arbeiten das Verhältnis von Geometrie als ideales, weltordnendes System der unsicheren Beschaffenheit der menschlichen Psyche gegenüber.

11.04.2013
GEOMETRIEN DES DADA
Filmscreening mit Mary Ellen Butes Dada (1936) und Hans Richters Rhythmus 21 (1921/24), Rhytmus 23 (1923/24) und Filmstudie (1926).

18.04.2013
ARCHIVES LOADED
Ein Projekt von Nikola Blaskovic (Künstler, Bremen). Vorstellung und Aktionen zum Magazin über Archive des künstlerischen Denkens von A. Bitter, T. Brajnovic, M. Crtalic, T. Gotovac, W. Hainke, informbureau, I. Loock, H. Müller, J. Olbricht, und S. Vuijicic. Einige der Künstler/innen sind anwesend.

25. 04.2013
FÜHRUNG
durch die Ausstellung mit Sandra Hampe, Volontärin


Die Ausstellung wird unterstützt von:








Mit freundlicher Unterstützung des Büros für Bildende Künste/Institut français
in Zusammenarbeit mit dem französischen Ministerium für Kultur und Kommunikation/DGCA


 
Die GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst wird gefördert durch: