DOLORES ZINNY UND JUAN MAIDAGAN

SUCH A GOOD COVER

28. August – 10. Oktober 2004

Ein "Kleid" aus vertikalen Stoffstreifen verhüllt die "Nacktheit" der Wände in der GAK. Verschiedene Stoffe sind so aneinandergenäht, dass sie ein wenig an einen Faltenrock erinnern. Dolores Zinny und Juan Maidagan arbeiten konsequent orts- und architekturbezogen.

Sie stehen damit in einer Tradition seit den sechziger Jahren, wie sie von Michael Asher oder Dan Flavin begründet wurde. Sie führen keine - fremden, neuen - Objekte mit einer eigenen Identität in den Raum ein, sondern sie exponieren den Raum, sie interpretieren den musealen Raum und verändern ihn. Das, was hinzugefügt ist, verschwistert sich mit dem Raum. So werden neue Sichtweisen auf Räume, die vielleicht allzu gut bekannt sind, ermöglicht. Die institutionelle Bedeutungsgebung wird aufgeweicht, Fragen nach der Geschichtlichkeit der Nutzung einer Architektur gestellt.

Aber Dolores Zinny & Juan Maidagan setzen sich nicht nur mit dem institutionellen Raum auseinander, sondern entwerfen prototypische Räume, archetypische Räume. Der Entwurfs- oder Vorschlagscharakter bleibt dabei immer präsent. Das Spielerische, das Abweichungen und Irrwege akzeptiert, ist doch vom strengen Analytischen nicht zu trennen.

Die Arbeit für die GAK legt das Augenmerk auf das Innen, betont die inneren Wände des Ausstellungsraums. Ein "Kleid" aus vertikalen Stoffstreifen verdeckt die "Nacktheit" der Wände. Verschiedene Qualitäten, naturfarbener Nessel, hellfarbene Seiden und schwarzer Baumwollstoff sind so aneinandergenäht, dass sie ein wenig an einen Faltenrock erinnern. Die hellen Stoffstreifen liegen vor den anderen. Die Breite der Streifen ist unregelmäßig, ebenso ist die Abfolge der Streifen unregelmäßig, doch der bleiche Nessel dominiert, er trennt alle farbigen Streifen voneinander. Er neutralisiert, hat die Funktion eines Bildgrundes, das matte Rosa, die verschiedenen Gelbtöne antworten über diesen Zwischenschritt aufeinander.

Durch die Einführung des stofflichen Kleides wird das Innen eingehüllt. Unweigerlich erinnert man sich an das "Ver"kleidens im Sinne eines Spiels mit Identitäten. Die Wand, die im üblichen Sinn der "bedeutungslose" Träger für Kunstwerke ist, wird versteckt. Ein geheimnisvoller Spalt zwischen Raum und Stoff wird zwar dem Blick verborgen, aber umsomehr der Phantasie aufgedrängt. Die Faszination von Kleidung mit ihrem Anschmiegen an den Körper, dem Spiel von Verstecken und Enthüllen, dem topologischen Spiel von Falten, Nähten, Umschlägen wird hier auf die Architektur übertragen. Der Ausstellungsraum wird zu einem Raum, der uns die Erkenntnis gewährt, dass Architektur und Körper - grundsätzlich - eine enge Symbiose bilden.

Eva Schmidt

 

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