F18INSTITUT

LIVING ROOMS. HAPPY END OF THE 21ST CENTURY

09. Mai – 18. Juni 2006

Laborphase: 9. – 31. Mai 2006
Ausstellungsdauer: 2. – 18. Juni 2006

Vergessen, zu Hause die Herdplatte auszuschalten? Die Heizung? Das Licht? Und keine Zeit, um schnell noch einmal nach Hause zu fahren? Kein Problem, wenn das Haus „mitdenkt" und die Fehler seiner Besitzer ausbügelt. Die Industrie lockt damit, dass das Leben zu kurz sei, um sich mit solch „unwichtigen Kleinigkeiten“ herumzuschlagen. „Goldene Wasserhähne spenden in fünf Jahren auch nur Wasser, eine smarte Infrastruktur bietet hingegen ganz neue Lebensqualität", lautet etwa ein Werbespruch. Die Industrie lockt damit, dass das Leben zu kurz sei, um sich mit solch "unwichtigen Kleinigkeiten" herumzuschlagen. "Goldene Wasserhähne spenden in fünf Jahren auch nur Wasser, eine smarte Infrastruktur bietet hingegen ganz neue Lebensqualität", lautet etwa ein Werbespruch.

Unsere Umwelt besteht zu einem großen Teil aus Maschinen. Wir benutzen sie mittlerweile mit großem Selbstverständnis als einfachstes Handwerkszeug, wie etwa einen Hammer oder einen Stift. Wann haben Sie das letzte Mal mit der Hand mehr als Ihre Unterschrift geschrieben? Die Komplexität heutiger Technologien, das komplizierte Zusammenspiel von Mechanik und Elektronik nehmen wir eigentlich gar nicht mehr wahr. Die heutigen Entwicklungen und Erfindungen robotischer Systeme versprechen mit wenigen Handgriffen oder etwa mittels Sprache, auf jeden Fall schnell und ohne viel Aufwand, komplexe Aufgaben zu erledigen. Die Wunschmaschine ist hier unbegrenzt und reicht von der sensorgesteuerten Scheibenwischanlage im Auto über die elektronische Küche, in der sich der Kühlschrank selbst mit Milch bestückt, bis zum digitalen Büro der frei flottierenden „Workspaces“. Das Schlagwort des „Intelligenten Hauses“ wird immer populärer.

Die Installation „Living Rooms. Happy End of the 21st Century“ des f18instituts (Hamburg/Ljubljana) provoziert Besucher, die eigene Umwelt neu zu erkunden. In einer Modellwohnung wird die Idee von automatischen Maschinen täuschend realistisch und doch utopisch umgesetzt. Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer, Bad etc. sind unauffällig ausgestattet: Möbel, Accessoires, Küchengeräte und Werkzeuge funktionieren bis zu einem gewissen Grad wie gewohnt. Allerdings gehorchen diese Dinge nicht der Benutzung durch ihre Bewohner, sondern entwickeln nach und nach ihre eigene Dynamik und verselbstständigen sich. Die elektronisch gesteuerten „Handlungen“ lösen sich zunehmend auf und die Dinge geraten durcheinander. Einzelne Elemente verlassen ihre Zimmer, streunen durch andere Bereiche oder entfernen sich ganz aus dem Wohnbereich. Andere Elemente beginnen ihr Eigenleben an Ort und Stelle – so setzt z.B. ein Orchester aus Küchenutensilien und Werkzeugen ein, Stühle und Tische ruckeln rhythmisch und beginnen ein absurdes Konzert anzustimmen. Nach und nach beruhigen sich die Objekte wieder.

Die Ausstellung besteht aus einer Laborphase, in der Besucher den Künstlern einmal in der Woche über die Schulter gucken und die Entstehung und Inszenierung der Installation miterleben können, bei der Möbel, Wohnelemente und Accessoires robofiziert und deren Verhalten programmiert werden. Nach der Laborphase folgt die zweiwöchige Präsentation der Installation in Aktion.

Kuratorinnen: Gabriele Mackert (GAK), Andrea Sick (Hochschule für Künste Bremen / Visionenkessel)

f18institut – Institut für Kunst, Information und Technologie (ikit) wurde 1996 in Hamburg gegründet und ist heute ein Pool von zahlreichen Künstlern und Technikern, die sowohl international als auch vor Ort in Hamburg arbeiten. Konstanten sind Stefan Doepner und Jan Cummerow sowie der Ingenieur Lars Vaupel. Das f18institut (nach seiner ursprünglichen Adresse am Hamburger Fischmarkt) versteht sich als eine Plattform, die in Kunst, Medien, Information und Technik den Austausch und die Zusammenarbeit der einzelnen Bereiche sucht, um die Inhalte und Ergebnisse der unterschiedlichen Forschungen miteinander verschmelzen zu lassen. f18institut hat in den letzten Jahren eine Vielzahl unterschiedlicher Performances, Installationen, Workshops und Ausstellungen in Polen, der Schweiz, Slowenien und Deutschland realisiert. Größere Ausstellungsprojekte waren unter anderem: „T1 – Testreihe Gegenwart“ (Hamburg, 1997), „T2 – Testreihe Gegenwart“ (Hamburg, 1998), „IKIT“ (Zürich, 2000) und „Playground Robotics“ (Basel/Bern/Solothurn, 2004) www.f18institut.org

                               

              

 

„Living Rooms. Happy End of the 21st Century“ ist Teil von SMARt 2006, einem internationalen Symposium zum Thema: „Music, Arts, and Robotics“ der Hochschule für Künste Bremen vom 13. bis 16. Juni.

Begleitprogramm SPEAKING WITHOUT LIPS, THINKING WITHOUT BRAIN Die Automaten und Maschinen des Wolfgang von Kempelen, 1734-1804
Brigitte Felderer, Ernst Strouhal und Jakob Scheid.

MENSCHMASCHINE Schulprojekt der Integrierten Stadtteilschule „In den Sandwehen“ und dem Tanzwerk Bremen.