FURTHER THOUGHTS ON EARTHY MATERIALS

CHRIS CURRERI, CHARLOTTE DUALÉ, KASIA FUDAKOWSKI, ASANA FUJIKAWA, ANNA HERMS, NINA HOFFMANN/KATHRIN SONNTAG, JUDITH HOPF, WILLIAM COBBING, KRIS LEMSALU, ALEX MÜLLER, ANDREJ POLUKORD, ALBERTA SAUKAITYTÉ, DORIS WEINBERGER, JESSE WINE

15. September – 18. November 2018
Eröffnung: Freitag, 14. September, 19:00 Uhr

Ausstellung in zwei Kapiteln, begleitet von einem Veranstaltungsprogramm und einer Publikation

Kuratiert von Anna Sabrina Schmid, Katja Schroeder und Janneke de Vries

„Most artists still produce to be experienced physically in space by somebody who is bodily present. This is something the World Wide Web won’t ever be able to replace. The increasing pressure of information on the experience of art has had artists running back for very material types of production, for very artisanal types of production.“

Dieter Roelstrate, Gespräch in der Kunsthalle Wien, 26. Juni 2016

In Zeiten, in denen zeitgenössische Kunst verstärkt die Bedingungen und Ästhetiken virtueller Realitäten reflektiert, posthumane Theorien virulent sind und die Digitalisierung der Welt eine Faszination an Stofflichkeit, Oberflächen und gefundenen Bildern geschaffen hat, wird parallel eine Kunstproduktion offensichtlich, die bewusst haptische Materialien und (kunst-)handwerkliche Herstellungsprozesse einsetzt.

Das zweiteilige Ausstellungsprojekt Further Thoughts on Earthy Materials in GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen und Kunsthaus Hamburg untersucht, welche Fragestellungen der Hinwendung zu den Techniken und dem Material der Keramik in der künstlerischen Produktion des 21. Jahrhunderts zugrunde liegen. Was sagt es über unsere Sicht auf die Welt, wenn sich Künstler/innen in Zeiten von Globalisierung und World Wide Web verstärkt einem Material zuwenden, das nicht nur als älteste handwerkliche Technik der Kulturgeschichte gilt, sondern auch eine große Tradition im Bereich der angewandten Kunst vorzuweisen hat? Das erneute Interesse an handwerklichen Techniken und physisch greifbarem Material in der Kunst des vergangenen Jahrzehnts offenbart jedoch nicht ausschließlich eine Gegenbewegung zu unserer digitalisierten und globalisierten Gegenwart, sondern bezieht deren vielfältige Aspekte in zahlreichen Beispielen explizit mit ein. Andere Ansätze wieder greifen die dem keramischen Material innewohnenden Konnotationen von Hobby-Kunst, esoterischer Selbstverwirklichung oder aus dem angewandtem (Design-)Bereich auf. In jedem Fall zeigt sich in der Kunstproduktion der letzten zehn Jahre ein Interesse an der Keramik und ihrer archaischen Beschaffenheit, ihren handwerklichen Herstellungsprozessen und ihrer entschleunigten Produktion.

Die Ausstellung Further Thoughts on Earthy Materials versammelt Arbeiten einer jüngeren Künstler/innengeneration, die ungewöhnliche Wege im Umgang mit keramischem Material gehen. Die in der Ausstellung gezeigten Positionen markieren also kein Revival von Traditionen oder eine künstlerische Rückwärtsbewegung, sondern finden neue Perspektiven, um gesellschaftliche Zusammenhänge zu thematisieren. Die Kapitel in Bremen und Hamburg widmen sich dabei unterschiedlich gelagerten Aspekten in zwei Gruppenausstellungen. In der GAK liegt der Fokus auf der Präsenz des Körpers. Das Kunsthaus setzt sich mit zeitgenössischen Technologien und Produktionsprozessen auseinander.