KATHRIN SONNTAG

SUPERKALIFRAGiLISTIGEXPIALIGETIK

21. Februar – 26. April 2009

Die Berliner Künstlerin Kathrin Sonntag (geb. 1981) beschäftigt sich in ihren Objekten, Fotografien, Filmen, Zeichnungen und ortsspezifischen Installationen mit alltäglichen Gegenständen und den vielfältigen Möglichkeiten ihrer Wahrnehmung. Oder anders: Sie thematisiert den Blick und dessen Verwandlung. Charakteristisch ist dabei ihr behutsamer Umgang mit den untersuchten Dingen, der ihnen ihren ursprünglichen Charakter zugesteht und doch durch ungewohnte Kombinationen oder minimale Eingriffe neue Aspekte hervortreten lässt.
Sonntags Arbeiten fokussieren den Moment, in denen ein normalerweise durch und durch lesbares Objekt aus sich heraustritt und sich so der gewohnten Interpretation entzieht. Den Moment, in dem die Abstraktion in den Alltag einfällt“, wie Sonntag es selbst beschreibt. Nicht länger stehen die Funktionen der benutzten Gegenstände im Mittelpunkt, sondern es werden etwa Form- oder Farbverwandtschaften offen gelegt und so Assoziationsketten mit Dingen gebildet, die man normalerweise nicht in Beziehung gesetzt hätte.
In ihrer Bremer Ausstellung wird der auffällige Ausblick aus den Fenstern der GAK auf die Weser zum Ausgangspunkt, verschiedene Aus-, Durch- oder Einblicke zu formulieren – im wortwörtlichen wie auch im übertragenen Sinn. So rhythmisieren etwa Rahmenformen, Spiegel und ein altmodisches Fernrohr den Raum und stellen gleichzeitig Form- und Farbverwandtschaften zu den anderen in der Ausstellung befindlichen Objekten, Collagen, Fotografien und Zeichnungen her. Eine Diaserie wirft Sequenzen mit Wörtern an die Wand, deren Klang oder Schreibweise bereits ihren Sinn transportiert: Ping Pong, Zick Zack usw. Und gefundene Abbildungen von skurrilen Erfindungen, die den Alltag erleichtern sollen (wie z.B. ein Zwitter aus Gabel und Löffel) werden zum Ausgangspunkt für weitere Verbindungslinien, die die Ausstellung wie ein vielmaschiges Netz durchziehen.
Der Titel SUPERKALIFRAGILISTIGEXPIALIGETIK ist der Disneyverfilmung "Mary Poppins" entlehnt, wo er als Adjektiv eingeführt wird. Er umschreibt nach Aussage des berühmten Kindermädchens ein „schrecklich langes und wissenschaftlich beeindruckend klingendes Wort". Eine Art Zauberwort, das zwar im Kern unsinnig erscheint, jedoch durch seinen imponierenden Klang seinem Benutzer einen gebildeten Anschein verleiht und dann gebraucht werden kann, wenn man nichts mehr zu sagen weiß. Es beinhaltet aber auch die Worte „Frage“ und „listig“ und bezeichnet damit auch Kathrin Sonntags künstlerisches Vorgehen, das dem Magischen und Besonderen im scheinbar Banalen auf der Spur ist. Im Gegenteil scheint es in ihrem Bildkosmos das Banale nicht zu geben – noch dem unscheinbarsten Gegenstand, noch dem alltäglichsten Moment werden Ebenen zugestanden, die ihn aus dem Status des Gewöhnlichen lösen. Das Verhaftet-Sein in den Realitäten des Alltags bei gleichzeitiger Offenlegung von dessen magischem Potential und überraschenden Verwandtschaften ist dabei das verbindende Element über die unterschiedlichen Medien hinweg. Auf diese Weise ist alles mit allem vernetzt und die Betrachter/innen bewegen sich in Kathrin Sonntags Interventionen wie in einem großen Suchbild, dessen Geheimnisse nur der entdecken kann, der sich auf eine andere Sehweise des Bekannten einzulassen gewillt ist.
SUPERKALIFRAGILISTIGEXPIALIGETIK ist Kathrin Sonntags erste institutionelle Einzelausstellung.

Kuratorin: Janneke de Vries

PUBLIKATION ZUR AUSSTELLUNG