KNUT ASDAM, TRACEY EMIN, GILLIAN WEARING

HUNDSTAGE

03. Dezember 1999 – 09. Januar 2000

Die zeitgenössische Videokunst reflektiert in der Aneinanderreihung kürzerer, identischer oder annähernd identischer Sequenzen die Essenz des erzählerischen Films: Szenen werden zeichenhaft isoliert, Zeitlichkeit wird relativiert oder aufgehoben. Dadurch entsteht eine eigentümliche Spannung, die sowohl psychologisch als auch formalisierend wirkt.
Die Arbeiten von Knut Asdam und Tracey Emin sind Beispiele für diesen Effekt der Wiederholung. Die Arbeit von Gillian Wearing verarbeitet die Erfahrung des Betrachters mit der Wiederholung von Sequenzen und bricht seine Erwartungshaltung, indem sie kaum zu bemerkende Veränderungen in die Abfolge einführt.

 
Knut Asdam, Untitled: Pissing (1995)
Die Videosequenz zeigt uns eine Nahaufnahme: den Schritt eines, mit einer weißen Hose bekleideten Mannes, und wir sehen, wie er in seine Hose pinkelt. Zuerst zeichnet sich nur ein kleiner feuchter Punkt ab, der sich schnell ausbreitet, bis die Hose völlig durchnäßt ist. Das Bild evoziert vielleicht die Vorstellung einer mangelnden Selbstkontrolle, die Erinnerung an eine kindliche traumatische Erfahrung, aber es ist auch ein formal schönes Bild eines sanften Prozesses, der in der Wiederholung zu einem abstrakten Rhythmus wird. Diese Ambivalenz situiert die Arbeit zwischen Realität und Traum.

Tracey Emin, Homage to Edvard Munch and to all my dead children (1998)
Die Künstlerin hockt, nur die Rückenansicht ist zu sehen, auf einem Bootssteg. Die Kamera schwenkt vom Körper weg, läßt sich vom Sonnenlicht, das vom Wasser reflektiert wird, blenden, und kehrt dann wieder zum Körper zurück. Ein lang anhaltender Schrei verklingt nur langsam. Diese einminütige Sequenz abstrahiert den Schmerz und die Trauer zu einer unendlichen Sehnsucht, aber auch zu einem eigenständigen, abstrakten Rhythmus.

Gillian Wearing, I love you (1999)
Die Arbeit verarbeitet die Erfahrungen mit der Wiederholung von Videosequenzen. Eine merkwürdige nächtliche Szene in einer ruhigen Wohngegend: zwei Ehepaare parken ihr Auto vor dem Haus, steigen aus, plötzlich bricht eine Frau in einen hysterischen Anfall aus. Die Szene wird mit minimalen, zunächst kaum zu bemerkenden Veränderungen acht mal wiederholt.

Knut Asdam, Untitled (Pissing), 1995, Video, 10 Sequenzen von 40 bis 70 sec.
Tracey Emin, Homage to Edvard Munch and all my dead children, 1998, Videoschlaufe, 1 Min.
Gillian Wearing, I love you, 1999, Video, 60 Min.