KOENRAAD DEDOBBELEER

A QUARREL IN A FARAWAY COUNTRY BETWEEN PEOPLE OF WHOM WE KNOW NOTHING

01. November 2014 – 25. Januar 2015

Was ist das Wesen von Skulptur? Was unterscheidet skulpturale Arbeiten etwa von Design, Alltagsgegenständen oder Architektur? Gibt es so etwas wie eine originäre künstlerische Idee oder ist alles in irgendeiner Form eine Variation oder Reproduktion von etwas bereits Dagewesenem oder Bestehendem? Das sind einige der Fragen, die sich der belgische Künstler Koenraad Dedobbeleer stellt.

Seine Arbeiten spüren das Überraschende im Bekannten auf. In seinen Objekten, Installationen, Fotografien und publizistischen Projekten entwickelt er neue Perspektiven auf das kollektiv Gewusste und fordert damit einen neu zu definierenden Umgang mit diesem ein. Ausgangspunkt sind meist Situationen oder Gegenstände, denen er im Alltag begegnet – besonders architektonische Zusammenhänge oder die Dinge, mit denen wir unser wohnliches Umfeld gestalten. Ein weiterer wichtiger Bestandteil seiner Herangehensweise sind die künstlerischen Traditionen der Avantgarde, mit denen er seine Verfremdungen des Bekannten oft verknüpft. Dies tut er mittels minimaler Verschiebungen in Form, Größe oder Materialität, überraschender Kombinatorik und skurril-dominanter Titel ebenso wie mit einer Lust an der Befragung kunstbetrieblicher Strukturen, an Absurdität und Irritation. Seine Arbeiten und Interventionen stellen das Alltägliche augenzwinkernd auf den Kopf, bieten dem Unscheinbaren eine überraschende Plattform und verorten sich in einem Geflecht von Referenzen zu Protagonist/innen, Werken und Anekdoten der Kunstgeschichte.

Für seine Ausstellung A QUARREL IN A FARAWAY COUNTRY BETWEEN PEOPLE OF WHOM WE KNOW NOTHING (dtsch. ungefähr: Ein Streit in einem fernen Land, zwischen Menschen, von denen wir nichts wissen) entwickelt Dedobbeleer einen variantenreichen Gang durch die Räume der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst mit skulpturalen Arbeiten, Architekturzitaten, Diaprojektionen und der Präsentation gefundenen Materials: Repliken von Designklassikern und Kunstwerken, Bücher und Abbildungen führen anekdotenhaft unterschiedliche, für Dedobbeleers Schaffen relevante Aspekte des Skulpturalen zusammen. Im Ergebnis bietet A QUARREL IN A FARAWAY COUNTRY BETWEEN PEOPLE OF WHOM WE KNOW NOTHING eine Reise in den vielfältigen Kosmos von Koenraad Dedobbeleer: Zum einen in seine Arbeit als Künstler, zum anderen in die Referenzen, aus denen sich sein Denken speist und die an das kollektive Wissen der Betrachter/innen anknüpfen. Diese Herangehensweise spiegelt sich auch in der Publikation Compensating Transient Pleasurable Excitations, die die Ausstellung begleitet (ROMA Publications, Amsterdam).

A QUARREL IN A FARAWAY COUNTRY BETWEEN PEOPLE OF WHOM WE KNOW NOTHING unterscheidet nicht zwischen eigenem Werk und dem anderer, oder zwischen künstlerischer Arbeit und Dokument. Vielmehr präsentieren Ausstellung und Begleitbuch das zusammengesetzte Bild einer „Allegorie über Bildhauerei“, eine gleichermaßen konkrete wie abstrakte Konversation über die Geschichte und Möglichkeiten des Mediums. Was macht Skulptur aus? Was definiert die Schwelle zwischen materiellem Eingriff, Funktionalität und ästhetischem Wert? Diese Fragen sind immer präsent in Dedobbeleers Schaffen und A QUARREL IN A FARAWAY COUNTRY BETWEEN PEOPLE OF WHOM WE KNOW NOTHING bringt sie in einem allegorischen Dialog auf den Punkt.

Koenraad Dedobbeeler wurde 1975 in Halle, Belgien, geboren. Seine Arbeit wurde in De Vleeshal, Middelburg (2013), Le Crédac, Ivry-Sur-Seine (2013), im Kunstmuseum St. Gallen (2012), Culturgest, Lissabon (2010), im Haus Esters, Krefeld (2009) oder in der Kunsthalle Bern (2008) in Einzelausstellungen präsentiert. Dedobbeleer war außerdem an der Biennale in Brno (2014) und in Porto Alegre (2013) beteiligt sowie an Gruppenausstellungen in der Kunsthalle Wien (2014), im Museum für Gegenwartskunst Siegen (2012), Casino Luxemburg (2011), SMAK Ghent (2010), in der Kunsthalle Wiels, Brüssel (2010), und im MuKA Antwerpen (2003). Koenraad Dedobbeleer arbeitet darüber hinaus gelegentlich als Kurator (Galerie Micheline Szwajcer, 2013, oder Muzee Ostende, 2011) und gibt seit 2006 gemeinsam mit Kris Krimpe die Publikation UP (a fanzine focusing on interesting architectures) heraus. Er lebt in Brüssel.

Die Ausstellung wird von zahlreichen Veranstaltungen begleitet, die ihre Themenstellungen vertiefen und erläutern.

A QUARREL IN A FARAWAY COUNTRY BETWEEN PEOPLE OF WHOM WE KNOW NOTHING entsteht in Kooperation mit Extra City, Antwerpen.

Das Begleitbuch zur Ausstellung kostet 26,- Euro, für GAK-Mitglieder 22,- Euro.



DONNERSTAGSTERMINE

FÜHRUNG DURCH A QUARREL IN A FARAWAY COUNTRY BETWEEN PEOPLE OF WHOM WE KNOW NOTHING
mit Janneke de Vries, Kuratorin der Austellung

Donnerstag, 20. November 2014, 19:00 Uhr


KUNST UND / ODER DESIGN – WENN OBJEKTE ZWISCHEN GRENZEN OSZILLIEREN
Vortrag von Prof. Dr. Sabine Foraita, Prof. für Designwissenschaft/Designtheorie, HAWK Hildesheim, Fakultät für Gestaltung

Donnerstag, 27. November 2014, 19:00 Uhr


DO SOMETHING THAT THEY DON´T UNDERSTAND. EINE EINFÜHRUNG IN DAS WERK VON KOENRAAD DEDOBBELEER
Vortrag von Christine Heidemann, freie Kuratorin, Berlin

Donnerstag, 11. Dezember 2014, 18:30 Uhr


FÜHRUNG DURCH A QUARREL IN A FARAWAY COUNTRY BETWEEN PEOPLE OF WHOM WE KNOW NOTHING
mit Svea Kellner, Kuratorische Assistenz

Donnerstag, 15. Januar 2015, 19:00 Uhr


LEARNING THROUGH A WALK
Finissage mit einer Vorstellung von Koenraad Dedobbeleers publizistischen Projekten durch den Künstler selbst

Sonntag, 25. Januar 2015, 16:00 Uhr




Die Ausstellung wird unterstützt von

  • Flemish authorities
  • Hypo - Kulturstiftung

Die GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst wird gefördert durch

  • Der Senator für Kultur