SARAH ORTMEYER

NAVY ROYAL

27. Februar – 09. Mai 2010

Aus historischen Fakten isoliert Sarah Ortmeyer Personen und Situationen und re-kombiniert sie auf eine Weise, wie diese eigentlich nicht zusammen gedacht werden. Historisch Verbürgtes bildet somit die Grundlage für ein subjektives Denken und eine fiktionale Erweiterung in die Gegenwart hinein. Ortmeyers Filme, Installationen und Objekte bereichern unseren Umgang mit dem Faktischen, indem sie elegant und assoziativ gleichermaßen das Potential und den Zauber offenbaren, die in dem liegen, was wir als gesichert anzunehmen gewohnt sind. Sie legen Schichten und Verbindungen hinter den neutralen Informationen frei, die uns zwar vertraut sind, aber in den seltensten Fällen tatsächlich berühren. Die Arbeiten filtern aus der Geschichtsschreibung das Subversionspotential heraus, das sich hinter den historischen Fakten verbirgt.

Die Ausstellung NAVY ROYAL in den Räumen der GAK verfolgt den thematischen Strang des Matrosenaufstandes von 1918. Damit lehnt sich NAVY ROYAL an die Lage des Hauses auf der Teerhofinsel mitten im Fluss sowie an die Geschichte Bremens als alte Schifffahrtsstadt an, ohne direkt ortsspezifisch zu sein. Ortmeyer treibt vielmehr ein generelles Interesse an dieser historischen Begebenheit an, die den Beginn der Novemberrevolution und damit das Ende der Monarchie in Deutschland einleitete. Die in die Ausstellung integrierten Arbeiten formulieren unterschiedliche Aspekte des Geschehens und ziehen Spuren bis in die Gegenwart, wenn sie die Bedeutung monarchischer Strukturen bis in die heutige Zeit untersuchen. Ein Stockanker, der symbolträchtig auf einem Riss im Boden platziert wird, ein in ungewohntem Rot geschneidertes Modell der klassischen Matrosenuniform, ein rückwärts laufender Film, der sinkende Schiffe aus dem Wasser auferstehen lässt, oder Bildrecherchen zur Verbreitung der Matrosenkleidung bei Kindern in der Vergangenheit und zum Glamourleben der Monarchen in den Boulevardzeitschriften der Gegenwart – NAVY ROYAL entwirft ein Gesamtbild, das Fragen nach Freiheit, Widerstand, Macht, Individualität und Sehnsucht stellt.

Sarah Ortmeyer wurde 1980 in Frankfurt/Main geboren und hat an der Hochschule für  Gestaltung in Offenbach und bei Wolfgang Tillmans und Simon Starling an der Städelschule  in Frankfurt/Main studiert. Sie lebt derzeit in Wien.

Kuratorin: Janneke de Vries

Die Ausstellung wird unterstützt von der Waldemar Koch Stiftung.

DONNERSTAGSTERMINE begleitend zur Ausstellung (jeweils 19 Uhr):

04.03.2010
Führung mit Janneke de Vries, Direktorin

11.03.2010   
Kenneth Anger, Fireworks (USA, 1947, 13:31 min.)
Bavo Defurne, Matroos (B, 1998, 17 min.)
FILMABEND anlässlich der Ausstellung NAVY ROYAL von Sarah Ortmeyer

18.03.2010
Do it! – KunstAktionen im öffentlichen Raum
Vortrag von Heinz Schütz, Kunsttheoretiker und Kurator, München
(anlässlich der Ausstellung FLUSS-VERSCHLAG von Florian Hüttner)

25.03.2010
Führung mit Carla Habel, Volontärin

01.04.2010
ON SAILOR MEN
Musik- und Leseabend mit Christian Haake und Janneke de Vries
(anlässlich der Ausstellung NAVY ROYAL von Sarah Ortmeyer)

08.04.2010
Künstlergespräch
Florian Hüttner und Janneke de Vries über seine Ausstellung in der GAK und seinen künstlerischen Ansatz

15.04.2010
Daniel Mann, Willard (USA, 1971, 90 min.)
Filmabend mit einer Einführung von Florian Hüttner
(anlässlich seiner Ausstellung FLUSS-VERSCHLAG)

22.04.2010
Führung mit Carla Habel, Volontärin

29.04.2010
Geschichte als Material in der Kunst der Gegenwart       
Vortrag von Susanne Leeb, Kunsthistorikerin, Freie Universität Berlin
(anlässlich der Ausstellung NAVY ROYAL von Sarah Ortmeyer)

06.05.2010
Führung mit Imke Itzen, kuratorische Assistenz