SIMON LEWIS

26. Januar – 09. April 2007

Simon Lewis' fast schockierend kleinteilige und extrem langsam entstehende Zeichnungen und Malereien enthalten sich aller Expressivität oder Gestik. Für seine erste Einzelausstellung schließt der britische Künstler (Jahrgang 1965) nun nach fünf Jahren die 20-teilige Zeichnungsserie „The Book of Soundings" ab.

Die detailreichen Zeichnungen des „The Book of Soundings" kombinieren poetische Motive, Strukturen und Grundmuster, mit denen sich Lewis in den letzten Jahren beschäftigt hat. Mit dem Begriff des „sounding", der an ein Echolot erinnert, das eben nicht in der Tiefe des Meeres, sondern in der Gegenstandswelt Schallwellen wahrnimmt, umschreibt Lewis' sein Herangehen an die Realität: „Wenn man etwas ortet, arbeitet man nicht direkt vor dem Objekt, sondern befindet sich entfernt davon. Man holt weder Proben von der physischen Umgebung, noch beschreibt man eine direkte Wahrnehmung. Es besteht eine räumliche Entfernung zwischen dem, was untersucht wird, und dem Untersuchenden. Die Ortungen in „The Book of Soundings" haben ihren Ursprung weniger in geografischen Situationen, sondern in den Bereichen der Naturwissenschaften, der Kultur, der Politik usw."

Lewis' erste Überblicksausstellung ergänzt eine Auswahl seiner Miniatur-Malereien. Diese Bilder fertigt er in einer ebenso atemberaubenden wie jede Autorschaft leugnenden Maltechnik, der es in ihrer Akribie und Disziplin um das einzige Pigmentpartikel zu gehen scheint. Es gibt nur wenige winzige Bilder, die sich vordergründig mit der räumlichen Anordnung der Natur und der Landschaft beschäftigen. Dabei geht es Lewis auch um eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Bildausschnitts als einer industriell bestimmten Technologie der Erkenntnis.

Für die Ausstellung wurden Leihgaben rund um den Globus - aus Deutschland, Großbritannien, Japan und Neuseeland - erstmals vereint.

Kuratorin: Gabriele Mackert

„The Book of Soundings" und „Observances" erscheinen als zweibändige Künstlerpublikation im Schuber bei Passenger Books, je 48 Seiten, 21 x 29,5 cm, 22 S/W-Abbildungen, ISBN: 978-3-00-020662-7, Euro 28.-

12 Vorzugsausgaben mit einer Originalzeichnung: Euro 480.-

Die Ausstellung wurde großzügig gefördert durch die Waldemar Koch Stiftung, Bremen, die Stiftung Kunstfonds, Bonn und unterstützt durch das British Council

                  
 


BEGLEITPROGRAMM

Ausstellungsgespräch:
mit Frauke Ellssel
Donnerstag, 8. Februar, 19 Uhr

Vortrag und Ausstellungsgespräch:
„... und eine Sonne stieg hinter der Dämmerung herauf". Ver- und entzauberte Natur
Detlev Stein, Kunstwissenschaftler, Bremen
Donnerstag, 22. Februar, 19 Uhr

Lesung:
Imaginierte Landschaften. Bekanntes und Unerwartetes in Prosa und Lyrik
mit Dieter Eckert und Frauke Ellssel
Ode an die Natur
Wir haben unsern Verdacht / gegen Forelle, Winter / und Fallgeschwindigkeit.
Günter Eich
aus: Anlässe und Steingärten, 1966

Simon Lewis Werk beschäftigt sich auf den ersten Blick mit Natur und Landschaft. Aber immer geht es Lewis auch um das „wie“ der Wahrnehmung und um den Modus der Übersetzung, den jede Darstellung enthält. Fiktives und Faktisches stehen nebeneinander. Die Arbeiten von Simon Lewis sind anspielungsreich und oft angelehnt an poetische, philosophische und auch humorvolle Kontexte. Textfragmente sind dabei sowohl eigenständige Medien der Wiedergabe, wie auch integraler Bestandteil, beispielsweise in den Zeichnungen des „Book of Soundings“.

Ausgehend von diesen Eindrücken haben sich Dieter Eckert (Antiquariat Eckert) und Frauke Ellßel (GAK) auf die Suche nach ähnlichen oder unterschiedlichen Annäherungen an die Natur in der Literatur gemacht. Ihre Fundstücke aus Prosa und Lyrik – Bekanntes und Unerwartetes – werden an diesem Abend als Lesung in der Ausstellung präsentiert. Eine Lesung, in der Gespräch und Betrachtung zusammen kommen und in der Lesung und Betrachtung und deren Vergleich zum Gespräch und zu Reaktionen einladen und eine Lesung die den Blick auf die Bilder erneuert. Es werden Gedichte, Kurzprosa, Texte und Fragmente voraussichtlich von Günter Eich, Johann Wolfgang Goethe, Raoul Schrott, Alexander von Humboldt, Italo Calvino, Christian Morgenstern, Francis Ponge, Paul Celan, Thomas Morus, Joao Cabral de Melo Neto und anderen vorgestellt.
Donnerstag, 8. März, 19 Uhr


Vortrag:
Die molekulare Poetik des Simon Lewis
Clemens Krümmel, Kunsthistoriker, Berlin
Er absolvierte seine Ausbildung an der Universität in Bonn und am Karl Ernst Osthaus-Museum Hagen. Er arbeitet als freier Übersetzer und als Kurator - zuletzt mit Alexander Roob an dem Ausstellungsprojekt "Tauchfahrten. Zeichnung als Reportage", Kunstverein Hannover, Kunsthalle Düsseldorf 2004/05. Er ist Mitherausgeber der Buchreihe Polypen.
Donnerstag, 22. März, 19 Uhr

Ausstellungsgespräch:
mit Gabriele Mackert
Donnerstag, 29. März, 19 Uhr

Führung und Ausstellungsgespräch:
Ein Kleiner Spaziergang durch die Landschaft
mit Dieter Begemann in der Kunsthalle Bremen
anschließend Ausstellungsgespräch mit Gabriele Mackert in der GA K
Sonntag, 1. April, 11.30 Uhr Kunsthalle, 12.30 Uhr GAK

Weitere Führungstermine, insbesondere für Schulklassen und Gruppen, nach Vereinbarung (Tel 0421 500897).

Die GAK wird vom Senator für Kultur der Freien Hansestadt Bremen gefördert.