02. – 09. Oktober 2011
Finissage: 09. Oktober, 15 Uhr
Hinrich Brockmöller (Klasse Franka Hörnschemeyer) zeigt am Eröffnungsabend die Performance Waldeshütt (2011), die den Wald in den Ausstellungsraum herein holt: „Seltsame Dinge tun sich da in der Waldeshütt. Denn der Waldesbewohner lebt zuweilen recht bizarr für des Städters Augen. Blitzt und blinkt es aus den Fenstern, knackt und backt es im Gebälk. Da werden altertümliche Essenzen gebraut und urtümliche Waldesrituale prozessiert. Und mit Glück kann man dann den scheuen Waldesmann bei seinem Hüttentanz bestaunen... In seiner Waldeshütt." Seine Hütte und ihr bizarres Innenleben verbleiben als skulpturale Arbeit auch nach der Performance in der Ausstellung.
Die Gruppe aera of elo ero zeigt am Donnerstag, den 6. Oktober, um 19.30 Uhr, eine Kombination aus Live-Tätowierung, Klangkunst und performativem Allerlei. Freiwillige vor! Wer möchte, wird von den Mitgliedern der Gruppe tätowiert, während sich eine Überraschungsklangkulisse der verschwommenen Art anbahnt.
Minjung Kang treibt in ihrer Videoarbeit eifersüßtig (2010) die Wortschöpfung auf die Spitze: voller Eifer entleert die Künstlerin den Inhalt zahlreicher Marmeladengläser und verteilt die süße Masse auf ihrem Körper, bis ihre Kleidung klebrig durchtränkt ist. Die kindliche Begierde auf das Süße entpuppt sich als ein ambivalentes, quälendes Gefühl. Die Ambivalenz kindlichen Daseins legt Kang auch in einer Skulptur offen gelegt - ein Baby aus weißem Gips krabbelt über den Boden, ausgestattet mit einem gigantischen, erigierten Penis, der sich wie eine Waffe in den Raum richtet.
Danuta Kurz gibt für ihr Projekt lücke#2 (2011) die Einladung zur Ausstellung in der GAK an sechs künstlerische Positionen aus Bremen weiter. Somit okkupiert sie den Raum nicht mit eigenen Arbeiten, sondern fungiert vielmehr als Mittlerin für die Künstlerinnen Branka Colic, dilettantin produktionsbüro, Birte Endrejat, Christiane Fichtner, Steinacker&Willand und Doris Weinberger, die an jeweils einem Tag der Ausstellungslaufzeit eine Arbeit in unterschiedlichen Medien realisieren.
Vorbild für Julian Öfflers multimediale Arbeit chatroulette (2011) ist Marina Abramovics berühmte Performance Rhythm 0 (1974). Hierbei setzte sich die Künstlerin dem Publikum willenlos aus, indem sie verschiedene Gegenstände zur Verfügung stellte, mit denen ihr sowohl Freud als auch Leid zugefügt werden konnten. Öffler übersetzt die Parameter dieser Performance ins Multimediale und Virtuelle, indem er auf dem Internetportal Chatroulette sein Publikum dazu auffordert, ihm Handlungsanweisungen zu schicken, die er seinerseits bedingungslos vor der Kamera ausführt. Damit wird die virtuelle Ebene des Spiels gleichzeitig eliminiert, wenn der Körper des Künstlers als reale Austragungsfläche für die Befehle der Zuschauer fungiert.
Markus Alexander Oldenburgs Das perfekte Dinner (2011) ist ein dreizehnminütiger Kurzfilm über ein inszeniertes Abendessen, einen Kellnerwitz und Schauspieler am Rande der Gesellschaft.
Zahra Onsoris Videoarbeit Sahnestreben (2011) zeigt einen dunklen Raum, indem ein weißer Kreis aus Sahnehäubchen auf dem Boden arrangiert ist. Allmählich schiebt sich eine verhüllte, menschliche Figur ins Bild, die robbend und motorisch eingeschränkt damit beginnt, die Sahne vom Boden aufzulecken. Das Auflesen der süßen Sahne ist jedoch mehr Qual, als dass es Lust bereiten würde. Onsoris Ausgangspunkt für diese Arbeit waren die jüngsten politischen Umbrüche im Iran und den arabischen Ländern.
Tim Reineckes Arbeiten thematisieren Risse, Spannungen und Verzerrungen. In seinen als Zeichnungen beschriebenen Objekten off kor (2010/2011) bilden Sprünge im Sicherheitsglas von Windschutzscheiben und Gewebeklebeband Spuren von Fremdeinwirkung ab und verorten sie als objets trouvé der Alltagswelt. Gleichzeitig lassen ihre glatten Oberflächen und technoiden Formen Anklänge zu den specific objects der Minimalart erahnen. Die Videoarbeit da kor, bestehend aus sechs Videos der Serie kor kor (2011), thematisiert die Verzerrung von Sinneseindrücken, indem akustische und visuelle Eindrücke bewusst übersteuert werden. Als Quelle dienen Reinecke dabei Amateuraufnahmen aus dem Internet.
Mit der Clubkultur setzt sich Sebastian Reuschels Arbeit Diverse Materialien (2008-2011) auseinander. Diesem lauten, nachtaktiven, dunklen Milieu entstammen die kleinen, scheinbar ephemeren Objekte, die auf den zweiten Blick deutliche Spuren ihres Gebrauchs und Rückstände ihres Inhalts erkennen lassen. Die Installation Raum (2011) dagegen spielt mit dem Verhältnis von Fläche und Raum, Öffnung und Ausschluss, indem sie die einen zentralen Punkt im Ausstellungsraum besetzt. Das austarierte Verhältnis der massiven Einzelteile besteht dabei aus einem fragilen Balanceakt von vier Türen.
Michael Schmid zeigt zwei Fotografien. Ohne Titel (2011) gibt die ornamentale Struktur einer industriell gefertigten Papierserviette wieder. Die Fotografie ist horizontal auf dem Gestell eines von Arne Jacobsen entworfenen Stuhls präsentiert. Die zweite Aufnahme, Höhle (2011), bildet eine kristalline Struktur im Inneren eines Steins, einer Geode ab.
Z. Schmidt präsentiert die Videoarbeit um raum (2011). Ein weißer, komplett gefliester Raum wird von der Künstlerin selbst erschlossen. Z. Schmidt trägt auf ihrem Streifzug durch die Halle Steppschuhe. Ihre Bewegung durch den Raum ist akustisch stets präsent, auch wenn die Künstlerin selbst nicht im Bild zu sehen ist.